Aggressionsverhalten:

(Seminar mit Sabine Neumann)

Was ist Aggression?                                           Aggression ist Kommunikation!

Aggression ist die gegnerische Auseinandersetzung. Man unterscheidet zwischen innerartlicher/gleichgeschlechtlicher und zwischenartlicher Aggression. Das Aggressionsverhalten ist stark ritualisiert und in seinem Ausdrucksverhalten sehr eindeutig um Missverständnisse zu vermeiden.Es schaut meist gefährlicher aus, als es ist.

 

Aggression ist ein biologisch verankertes Verhaltensprogramm, das Lebewesen hilft, Schmerz und andere Bedrohungen abzuwehren.

Aggression ist ein artspezifisches Droh- und Angriffsverhalten, mit dem das Tier auf einen bestimmten Reiz reagiert.

 

Aggression ist eine natürliche Strategie der Verhaltensanpassung. Tiere setzen Aggression ein, um möglichst viel positive Bestätigung zu bekommen- um das zu erreichen, was es möchte (z.B. Distanz)

Was ist Aggressivität?

Aggressivität ist die Bereitschaft zur gegnerischen Auseinandersetzung.

 

Aggressivität wird durch folgende Faktoren beeinflusst:

  • Genetische Disposition (Zuchtziele bestimmter Rassen)
  • Umwelteinflüsse (falsche Welpenschule)
  • Soziales Umfeld (menschl. und tierische Sozialpartner)
  • Bindung an Artgenossen, Menschen, andere Tiere (Vertrauen, Vorhersehbarkeit)
  • Einhaltung von Distanzen
  • endogene Faktoren (Gesundheit- Läufigkeit, Trächtigkeit usw..)
  • Geschlecht
  • Alter- Erfahrungen
  • sozialer Status (wurden Grenzen aufgezeigt)
  • Erziehung
  • Störungen (Krankheit, Übermüdung, Stress)

www. animal-learn.de

Häufige Arten der Aggression

Offensiv oder defensiv?

offensiv Drohen: (Foto unten)

Nasenrücken kräuseln, anschleichen, Blickkontakt- schmale Augen- harter Blick, Überfall, Haare sträuben- nur im Nackenbereich, knurren, Beißdrohstellung- der ganze Körper ist nach vorne gerichtet  (Ohren, Gewicht, Rute), die Mundwinkel sind kurz und rund, Zähne blecken- nur die vorderen Zähne sind zu sehen und die Stirn ist gerunzelt, 

gehemmtes Aggressionsverhalten:

Über die Schnauze beißen (ohne das Gegenüber verletzen zu wollen), Gegenstand abnehmen (Beute), anrempeln, runterdrücken, umstellen (in der Bewegung einschränken), Überfall, Vorderbeinstoßen (den Rivalen dabei am Boden fixieren), anspringen, Rückenbiss, verfolgen (bis erwünschte Distanz erreicht ist- oft über 100m)

freies Aggressionsverhalten

Angriff, beißen, Ernstkampf

 

Foto: Karin Tramposch
Foto: Karin Tramposch

 

 

defensive Aggression: (Foto unten)

Abwehrdrohen- alles ist körpersprachlich, nach hinten gerichtet. Das Gewicht, die Ohren und die Mundwinkel, sie sind lang und spitz. Die Zähne werden häufig beleckt, vollzähneblecken- die Lefzen sind weit offen, dass die Zähne bis weit nach hinten sichtbar sind. Die Rute ist meist bis zum Bauch eingezogen und die Stirn ist glatt, Gebissklappern, wegsehen, abwehrschnappen, Haare sträuben- über den ganzen Rücken, knurren

gehemmtes Aggressionsverhalten:
Abwehr mit gekrümmten Hals, Abwehrkreisen, abrollen auf den Rücken (immer freiwillig), abwehrstoßen

freies Aggressionsverhalten:
Abwehrkampf, Ernstkampf, Flucht

Foto: Karin Tramposch
Foto: Karin Tramposch

Im Spiel befinden sich Elemente des gehemmten Aggressionsverhalten. Unterschiede dazu sind im Gesichtsausdruck und in der Körperhaltung zu finden. Die Elemente wechseln ständig und erkennbar auch, wenn auf einmal was anderes viel wichtiger ist z.B. am Boden zu schnüffeln.

Hauptursachen für Aggressionsverhalten sind Stress/ Überforderung und Angst. Die Angst verstärkt sich durch Belohnung und Bestrafung

Motivation für Aggressionsverhalten

  • Als allgemeine Verteidigung- gegen Schmerz, Schreck, Feinde (aus Hundesicht)- Bisse gegenüber Menschen (Kinder) fallen in diese Kategorie
  • Aggressionsbereitschaft gegen Geschlechtsrivalen- Tritt vor allem bei Läufigkeit und bei Trächtigkeit auf, oder wenn Welpen geführt werden
  • Als Gegenangriff- wenn eine bestimmte Distanz unterschritten wird und der Fluchtweg abgeschnitten ist
  • Aggression zur Territorialverteidigung- Territorium ist eine wichtige Lebensgrundlage
  • Aggression durch Stimmungsübertragung- oft bei Mehrhundehaltung, im Tierheim, durch den Trainer oder auch Besitzer
  • Aggressivität durch Frustration- Übersprungshandlungen
  • Aggressivität als Machtprobe- das findet man im Spiel bei Junghunden. Deshalb RICHTIG und DOSIERT spielen lassen

Sonderfall:

Angriffsbereitschaft gegenüber Beutetieren/Beutefangverhalten- stark gekoppelt mit Appetenzverhalten- je hungriger der Jäger ist, desto größer ist die Angriffsbereitschaft

 

Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum  Aggressionsverhalten

Aggressionsverhalten hat zum Ziel durch ritualisiertes Verhalten, Verletzungen zu VERHINDERN

Beutefangverhalten hat das Ziel zu töten

Aggressionsverhalten schafft Distanz zwischen beiden Kämpfern, ist nicht auf die Vernichtung des Gegners aus

Beim Beutefangverhalten ist das Ziel Distanz zu verringern und zu töten

Also:
Beutefangverhalten hat nichts mit Aggression zu tun!!!!!